Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)
Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)

"Unsere Freiheit zählt mehr als eure"

Interview mit der Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong

Die britische Religionswissenschaftlerin Karen Armstrong hält viele Zuschreibungen des Islam in den europäischen Debatten für eine Verzerrung, die in der Geschichte des Abendlandes eine lange und unrühmliche Tradition haben. Sie kritisiert die Vorstellung, der Islam sei im Vergleich zum Christentum die gewalttätigere Religion. Mit ihr sprach Claudia Mende.

Frau Armstrong, in der englischen Tageszeitung "The Guardian" schrieben Sie vor einiger Zeit, die barbarische Gewalt von ISIS sei zumindest teilweise "die Folge einer westlichen Politik der Verachtung". Würden Sie das heute noch so schreiben?

 

Das gesamte Interview (» hier)

 

Interview: Claudia Mende

© Qantara.de 2015

Pressemitteilung

Islamischer Dachverband Heilbronn e.V.


Im Namen der Mitglieder des Islamischen Dachverbandes Heilbronn e.V. verurteilt der Vorstand alle Handlungen der Terrororganisation "IS".

Deren Taten sind in keinster Weise durch den muslimischen Glauben legalisiert und widersprechen unserem Verständnis vom Miteinander aller Menschen - unabhängig von Ihrer Religion, Nationalität oder Staatsbürgerschaft.

Aus diesem Grund unterstützen wir alle notwendigen Maßnahmen, die zur Beendigung aller unmenschlichen und verbrecherischen Aktivitäten führen. Wir beteiligen uns an verschiedenen Projekten, die zu Verbesserung der Situation der betroffenen Menschen vor Ort führen. Wir rufen alle Muslime auf sich eindeutig gegen die Organisation "IS" zu positionieren, gegen deren Taten zu protestieren und den Menschen in Not zu helfen.

 

Heilbronn, den 01.09.2014

Vorstand des IDHN e.V.

ZMD: "Akt des Unrechtes, gegen den Islam , internationales Recht und Menschlichkeit"

 

Was sagt der Islam, wenn wie im Irak Christen und andere Minderheiten vertrieben werden

 

„Die Vertreibung der irakischen Christen durch die terroristische ISIS ist ein Akt des Unrechtes, ist gegen den Islam, verstößt gegen internationales Recht und gegen die Menschlichkeit.“ Der ZMD begrüßt außerordentlich, dass sich namhafte muslimische Gelehrte und Gruppen vor Ort  hier eindeutig positioniert haben und gegen dieses Vorgehen protestieren.

Solidarität mit allen Menschen in Notsituationen ist ein elementares Gebot im Islam. Der ZMD verweist in diesem Zusammenhang auf eine gesicherte Aussage des Propheten Muhammad (Hadith), wonach dieser Muslime ermahnt sich gegen diejenigen zu stellen, die Nichtmuslimen Unrecht antun, sie diskriminieren, ihnen etwas auferlegen, was sie nicht zu tun vermögen oder ihnen etwas rauben, gegen diesen werde er „der Ankläger am Tage der Auferstehung sein“.

 

“Mitmenschlichkeit und Solidarität mit Menschen in Not sind essentielle Charaktereigenschaften des Menschseins. Sie sind darüber hinaus zentrale Lehren der abrahamitischen Religionen. Ein Jude, Christ oder Muslim sollte diese Lehren seiner Religion weder einem tagespolitischen Zeitgeist, noch einer falsch verstandenen Verbundenheit mit Glaubensgeschwistern, die ein eklatantes Unrecht begehen, unterordnen. Mitmenschlichkeit und Solidarität sind keine Werte, die nur einseitig eingefordert werden können. Wer Frieden will macht diese Werte zum allgemein verbindlichen und verpflichtenden Maßstab, an dem wir uns alle - Juden, Christen und Muslime - messen lassen müssen, wann und wo auch immer Menschen in Not geraten.“

 

Der ZMD verurteilt jegliche Doppelmoral und ruft alle Muslime in Deutschland dazu auf, gerade in Zeiten der Kriege, wo wie z.B. in Syrien Muslime die Hauptleittragenden sind, gerecht zu handeln, und weiter deutlich Unrecht egal gegen wen auch als solches zu benennen. Das Vorgehen gegen die Christen im Irak ist zu verurteilen und es muss alles getan werden, damit „unseren christlichen Brüdern und Schwestern“, ihr Recht zurückgegeben wird.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)  begrüßt und unterstützt zudem den Aufruf des ZMD-Mitglieds Deutsche Muslim Liga e.V. die Petition "Helfen wir den Christen im Irak!"zu unterschreiben.

 

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Islamische Theologen: Deutungshoheit über den Islam nicht militanten Extremisten überlassen

 

Wissenschaftler unterzeichnen Stellungnahme zu Beginn des Kongresses „Horizonte der Islamischen Theologie“ – Frankfurter Erklärung im Wortlaut

 
Veröffentlicht am: Montag, 01. September 2014, 16:58 Uhr (252) (» hier)
 

FRANKFURT. Zu Beginn des an der Goethe-Universität stattfindenden Kongresses „Horizonte der Islamischen Theologie, zu dem sich noch bis Freitag etwa 400 Teilnehmer in der Main-Metropole treffen, haben die Vertreter der Standorte für Islamisch-Theologische Studien in Deutschland eine Stellungnahme zu den aktuellen politischen Entwicklungen im Nahen Osten veröffentlicht. Sie zeigen sich darin tief bestürzt über das unmenschliche Vorgehen der Anhänger des „Islamischen Staats“. Die Deutungshoheit über den Islam dürfe nicht militanten Extremisten überlassen werden, die auch unter jungen Menschen in Europa zunehmend Anhänger fänden, sondern müsse in Deutschland aus der Mitte der Gesellschaft – unter anderem aus den Universitäten – erfolgen. Ursachen für das gewaltzentrierte Religionsverständnis sehen die Unterzeichner u. a. in den desolaten soziopolitischen Umständen im Nahen Osten und auch in anderen Teilen der Welt.

Hier die Stellungnahme im Wortlaut, die inzwischen von vielen weiteren Wissenschaftlern unterzeichnet wurde.

„Wir sind zutiefst bestürzt über die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten und über den Terror, den der sogenannte ‘Islamische Staat‘ (IS) gegenüber Zivilisten und Gefangenen jeglichen Glaubens walten lässt. Die ungeheuerliche Gewalt, die von den Anhängern des IS ausgeht, negiert alle Regeln der Menschlichkeit und zivilisatorischen Normen, für deren Herausbildung auch der Islam eine wichtige Rolle gespielt hat und an denen er teilhat. Solche Deutungen des Islam, die ihn zu einer archaischen Ideologie des Hasses und der Gewalt pervertieren, lehnen wir strikt ab und verurteilen diese aufs Schärfste.

Angesichts der steigenden Zahl an jungen Menschen in Europa, die sich dem Gedankengut des IS und anderer extremistischer Formationen anschließen, sind wir uns als VertreterInnen von islamisch-theologischen Fächern der Notwendigkeit und Verantwortung bewusst, sich solchen Deutungen des Islam gerade mit Bezug auf die islamischen Traditionen entgegenzustellen. Die Deutungshoheit über den Islam darf nicht Extremisten und Gewalttätern überlassen werden und muss in Deutschland aus der Mitte der Gesellschaft heraus – unter anderem an den Universitäten – erfolgen. 

Wir setzen uns, nicht zuletzt in unserer universitären Arbeit, für einen Islam ein, aus dem sich Humanität, Gewaltfreiheit, Wertschätzung der Pluralität und Respekt für Menschen ungeachtet ihrer Zugehörigkeiten schöpfen lassen. 

Die aktuellen Konflikte im Nahen Osten und auch in anderen Teilen der Welt zeigen, wie rasant sich unter desolaten soziopolitischen Umständen ein gewaltzentriertes Religionsverständnis herausbilden kann. 

In demokratisch-freiheitlich verfassten Staaten Europas sehen wir demgegenüber die Chance, an das reiche Erbe der geistesgeschichtlichen und religiösen Tradition des Islam anzuknüpfen und uns in der Begegnung mit anderen, auch kritischen Perspektiven zu öffnen. So sollen Studierende befähigt werden, eigene religiöse Ressourcen als Mittel zur Gestaltung eines produktiven Miteinanders zu begreifen und sich gestalterisch in die Zukunft der deutschen Gesellschaft einzubringen. Hierzu gehört auch die Anerkennung der Muslime als Teil Deutschlands und das Ernstnehmen vergangener und jüngster islamfeindlicher Übergriffe als Hindernisse auf diesem Weg. 

Nur durch eine reflektierte Auseinandersetzung mit der islamischen Lehre und Praxis unter freiheitlichen Bedingungen lässt sich die islamische Wissens- und Normenproduktion von krisenhaften Verhältnissen und Kontexten der politischen Repressionen entkoppeln. Und nur so können produktive Antworten des Islam auf die Herausforderungen des globalen Zusammenlebens gefunden werden. Hierfür ist die freie akademische Wissensproduktion an deutschen Universitäten eine wichtige Voraussetzung.

Prof. Dr. Bekim Agai, geschäftsführender Direktor am Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam, Goethe-Universität Frankfurt a.M
Prof. Dr. Maha El-Kaisy Friemuth, geschäftsführende Direktorin am Department Islamisch-Religiöse Studien, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, geschäftsführender Direktor am Zentrum für Islamische Theologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. Yasar Sarikaya, Professur für Islamische Theologie und ihre Didaktik, Justus-Liebig-Universität Gießen
Prof. Dr. Erdal Toprakyaran, geschäftsführender Direktor am Zentrum für Islamische Theologie, Eberhard Karls Universität Tübingen
Prof. Dr. Bülent Ucar, geschäftsführender Direktor am Institut für Islamische Theologie, Universität Osnabrück

Unter der E-Mail-Adresse stellungnahme.islamische-theologie@outlook.com kann die Stellungnahme mit der Angabe von Name und Institution unterzeichnet werden.

Zum Kongress „Horizonte der Islamischen Theologie“

Die thematische Bandbreite des Kongresses umfasst die Disziplinen der Islamischen Theologie und relevante Forschungsbereiche angrenzender Wissenschaften. Paneltitel von „Neue Wege in der Koranauslegung“ und „Wörtliche Auslegung islamischer Texte“ über „Bioethik“ und „Feministische Theologie“ bis hin zu „Neue Erkenntnisse zur arabischen Syntax“ zeugen von der breiten Themenpalette des Kongresses. Dabei werden international bekannte Persönlichkeiten wie der südafrikanische muslimische Theologe und Anti-Apartheids-Aktivist Farid Esack und der iranische Philosoph und Vordenker Abdolkarim Soroush als Referenten erwartet. Aus Deutschland kommen unter anderem der Frankfurter Theologe und Koranwissenschaftler Ömer Özsoy, die Frankfurter Ethnologin Susanne Schröter vom Exzellenzcluster sowie der Münsteraner Religionspädagoge Mouhanad Khorchide und Hanna Liss, Expertin für jüdische Bibelauslegung aus Heidelberg.

Informationen: Tim Sievers, B.A., Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam, Fachbereich  Sprach- und Kulturwissenschaften, Tel.: 069-798-32767; Mobil: 0160 8710147, tim.sievers@em.uni-frankfurt.de, www.kongress-islam.uni-frankfurt.de

Hier finden Sie uns:

IDHN e.V.
Salzstraße 35
74076 Heilbronn

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