Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)
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Das Opfer zum Fest

"Ihr Fleisch erreicht Allah nicht, noch tut es ihr Blut, sondern eure Ehrfurcht ist es, die Ihn erreicht. In der Weise hat Er sie euch dienstbar gemacht, auf daß ihr Allah für Seine Rechtleitung preist. Und gib denen frohe Botschaft, die Gutes tun."[22:37]

Nach dem Fest zum Ende des Ramadans (arab. „Id-al-Fitr“, türk. „Bayram“) - umgangssprachlich oft als Zuckerfest oder unter Muslimen manchmal auch „kleines Fest“ genannt – steht nun das große Opferfest vor der Tür (arab. „Id-al-Adha“, türk. „Kurban“)

1.    Das Opfer Ibrahims (a.s.)
2.    Die Vorbereitung auf das Opfer
3.    Die Bedeutung des Opfers
4.    Das Teilen des Opfers

1.    Das Opfer Ibrahims (a.s.)
Wie der Name bereits andeutet, ist die zentrale Bedeutung dieses Festes, die eines Opfers. Das Fest erinnert an die Gottergebenheit Ibrahims (a.s.) , als er dem Ruf Gottes folgte, und bereit war, auch das wichtigste in seinem Leben, seinen langersehnten Sohn zu opfern. Bibel und Qur’an nennen zwar unterschiedliche Söhne, demnach opferte Ibrahim (a.s.) nach biblischem Verständnis den gemeinsamen Sohn mit Sarah, Isaak während nach islamischem Verständnis sein erstgeborener Sohn mit Hagar, Ismail (a.s.) , gemeint ist, doch die Bedeutung der Vorgänge kann durchaus unabhängig von der Person gesehen werden.

Für Ibrahim (a.s.) , den bedingungslosen Monotheisten, steht kein Befehl Allahs (t) außer Frage. Seine Hingabe wird weder durch familiäre Bande noch durch Gefahr für sein eigenes Leben aufgehalten. Als er und seine Frau kinderlos bleiben, besteht er auch diese Prüfung. Er hadert nicht mit seinem Schicksal, auch wenn er traurig darüber ist. Das Wunder geschieht und Allah (t) gewährt ihm doch noch Kinder.
Als nun der Befehl des Nachts kommt, seinen Sohn zu opfern, zögert er erstmals. Doch nach der dritten Aufforderung steht er auf und geht zu seinem Sohn. Er beweist, dass er der Stammvater des Monotheismus ist, als er auch sein größtes Opfer bereit ist zu erbringen. Diese letzte weltliche Bindung, die noch zwischen seiner Hingabe zu Allah (t) und ihm stehen könnte. Jeder, der selbst Mutter oder Vater ist, wird nachvollziehen können, welche Glaubenskraft Ibrahim (a.s.) besessen haben muss, um dieses Opfer bereitwillig zu erbringen. Auch sein Sohn widersetzte sich nicht, sondern stärkte seinen Vater, in dem er, durch das Gottvertrauen, das er von seinem Vater gelernt hatte, gelassen den Befehl auszuführen half . Doch in letzter Minute, schickt Allah (t) Seinem Diener ein Schaf, das anstelle des Kindes geopfert werden soll. Ibrahim (a.s.) hat seine Prüfung bestanden – eine Prüfung, die in ihrer Größe und Tragweite nur von Propheten verlangt wird.


2.    Die Vorbereitung auf das Opfer
Die Pilger der Hadsch bereiten sich auf diese Prüfung mit den Pilgerriten vor. Am Tag vor dem Opferfest verbringen sie den heißen Nachmittag auf der kahlen Ebene Arafats: stehend im Gebet und Gedenken Allahs (t). Sie nächtigen auf der steinigen Erde Muzdalifas und im meditativen Sammeln kleiner Steine. Zeit genug, sein Selbst zu ergründen.
Die Daheimgebliebenen Muslime verbringen dagegen den Tag vor dem Fest weniger meditativ. Sie sind gefangen in den Bedürfnissen des alltäglichen Lebens und der Festvorbereitungen. Doch auch sie haben die Chance, ein wenig in sich zu kehren: der Tag von Arafat ist für die Nicht-Pilger ein freiwilliger Fastentag. Jeder hat also die Möglichkeit, sich auf die spirituelle Bedeutung des Opferfestes vorzubereiten.

 

3.    Die Bedeutung des Opfers
So wie Ibrahim (a.s.) von Allah (t) geprüft wurde, so sollen auch wir in diesen Tag in die Fußstapfen des großen Gottergebenen treten und die Prioritäten in unserem Leben neu ordnen. Nicht in der Größe und Tragweite, die einem Propheten auferlegt wird, doch die Beinahe-Opferung Ismails (a.s.) durch seinen Vater steht symbolisch für die Überwindung der innersten Bindungen an alles, was zwischen dem Selbst und seinem Schöpfer stehen kann. Für Ibrahim (a.s.) war es seine Liebe zu seinem Sohn.
Was versteckt sich in unseren Herzen?
Was könnten wir nie opfern, nicht für alles Geld der Welt!
.......Und könnten wir es für Allah (t) opfern?
Blicken wir in uns hinein.
Gibt es etwas, vielleicht sogar vieles, das zwischen unserem Selbst und Allah (t) steht.
Allah (t) kennt unser Innerstes.
"O ihr, die ihr glaubt, lasst euch durch euer Vermögen und eure Kinder nicht vom Gedenken an Allah (t) abhalten. Und wer das tut - das sind die Verlierenden. [63:9]"
Viele Dinge scheinen uns so sehr ans Herz gewachsen zu sein – sei es nun Macht, Geld, Liebe, Luxus, dass es zwischen uns und unserem Schöpfer stehen könnte. Dieses Gefühl gilt es spirituell zu opfern. Das heißt nicht, dass der Gläubige nun asketisch leben und alles Weltliche verneinen soll – dies wäre für die meisten Menschen nicht möglich und Allah (t) kennt die Schwächen seiner Geschöpfe. Macht und Anerkennung gibt es im Leben, auch Geld und Luxus kann es geben, doch stehen sie in Bezug zu ihrer irdischen Vergänglichkeit, verlieren sie an Bedeutung und an Verlockung. Der Mensch kann sich davon unabhängig machen, ohne an diesem Verlust zu zerbrechen. Selbst die elterliche Liebe zu den eigenen Kindern, ist in sich betrachtet, ein rein irdisches Gefühl. Es ist die stärkste Bindung, die ein Mensch eingeht und sie ist von Allah (t) so dem Menschen gegeben worden. Eltern sollen ihre Kinder lieben, fast bis zur Selbstaufgabe, und doch muss der Glaube an Gott, diese Liebe noch übersteigen können. Denn auch Kinder sind ein vergängliches Gut – und niemand wird den Schmerz über diese Vergänglichkeit mehr verstehen, als jemand, der ein Kind verloren hat. Gerade in solchen Augenblicken kann die Liebe zu Allah (t), Trost spenden und Halt geben. Denn diese Liebe ist ewig und voll der Gnade und Barmherzigkeit.
Die Hadsch ermöglicht es einem jedem Pilger, dieses Innerstes zu durchleuchten, es neu zu ordnen und wieder in Verbindung zu seinem Schöpfer auszurichten.

 

4.    Das Teilen des Opfers
Mit dem Tag des Opferfestes beginnt die Freudenstimmung und das Schlachten des vorgeschriebenen Tieropfers. Dieses Tieropfer wird nicht nur in Mina, der Endstation der Pilgerfahrt von jedem Pilger erbracht, sondern auch von den Muslimen überall in der Welt. Doch ist es viel mehr als nur ein Festessen. Es bedeutet auch Verzicht und Bewusstwerdung. Ein Schaf kostet in Deutschland mehr als 100 EUR. Wenn man daran gewöhnt ist, Fleisch in anonymen Klein-Portionen von der Ladentheke zu kaufen, wird man sich am Opferfest des finanziellen Aufwandes, des Tierlebens und der handwerklichen Mühe des Schlachtens wieder bewusst. Fleisch bekommt damit auch wieder eine „Wert“-schätzung. Schließlich obliegt jedem, der ein Tieropfer erbringt, die Pflicht, diesen Wert mit anderen zu teilen: in gleichen Teilen mit der Familie, den Nachbarn und den Bedürftigen. Die Pflicht abzugeben, verhindert, dass sich die Dankbarkeit gegenüber Allah (t), ein solches Schlachtopfer erbringen zu können, in Stolz und Hochmut wandelt.
     "Und für den Opferbrauch Allah (t)s haben Wir für euch die großen Kamele bestimmt. An ihnen habt ihr viel Gutes. So sprecht den Namen Allah (t)s über sie aus, wenn sie gereiht dastehen. Und wenn ihre Seiten (auf dem Boden) liegen, so eßt davon und speist den Genügsamen und den Bittenden. So haben Wir sie euch dienstbar gemacht, auf daß ihr dankbar sein möget." [22:36]

So erfüllt das Opferfest in all seinen Facetten den bestmöglichen Nutzen für die Menschen:

•    In der Betrachtung des geschichtlichen Ursprungs zeigt sie uns, wie sehr wir manchmal geprüft werden und doch die Hoffnung und das Vertrauen auf Allah, den Gerechten und Allerbarmer, nicht verlieren dürfen. Sie zeigt uns, dass uns Allah (t) selbst, wenn es keinen Ausweg mehr zu geben scheint, in Seiner Barmherzigkeit helfen wird. Er kennt Seine Geschöpfe und verlangt nichts Unmenschenschliches von ihnen.

•    Die Begehung der Festlichkeiten stärkt die Gemeinschaft, pflegt Familien- und Nachbarschaftsbande und ermöglicht es auch den Bedürftigen, mindestens einmal im Jahr die "Kostbarkeit Fleisch" zu kosten und trotz widriger Umstände feiern zu können. Den Gebenden lehrt es zu teilen und Besitz mit Dankbarkeit und Demut zu begegnen. Den Nehmenden erfüllt es mit Freude.

•    Doch verbirgt sich hinter dem irdischen Opfer noch eine spirituelle Herausforderung. Es bedeutet für den Gläubigen einen Teil seiner innersten Prioritäten zu opfern, um wieder Ordnung und Licht ins irdische Durcheinander von scheinbaren Wichtigkeiten zu bringen.

Erst dann wird das Opferfest auch wirklich zu diesem.

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