Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)
Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)

Der Ramadan und seine Chancen

Mehmet Sevki Yavuz - Mitglied im IDHN e.V.

Während sich die islamische Welt mit Trauer von einem weiteren Ramadanmonat verabschiedet, ist gleichzeitig die Freude auf das Fest des Fastenbrechens sehr groß. Das Ramadanfest (türk.: Ramazan Bayramı, arab.: ʿĪd al-Fitr) ist eines der beiden großen Feste im Islam. Hierzulande nehmen sich viele Beschäftigte vor allem am jeweiligen ersten Festtag – soweit möglich – frei und auch Schulkindern wird ein unterrichtsfreier Tag gewährt. Die Moscheen sind an diesem Tag so gut besucht, dass die Räumlichkeiten oft nicht ausreichen und zusätzlicher Teppich ausgelegt werden muss. Nach dem gemeinsamen Gebet in der Moschee wird zum ersten Mal nach einem Monat wieder gemeinsam am hellichten Tag gefrühstückt. Den restlichen Ablauf der Festtage markieren gegenseitige Besuche, wobei zunächst die eigenen Familien besucht und dabei vor allem kleine Kinder beschenkt werden. Die Festtage stellen eine Zeit dar, in der das Gemeinschaftsgefühl gestärkt wird und die Verstrittenen sich versöhnen.

Der Fastenmonat Ramadan, der fälschlicherweise oft nur auf den Verzicht von Nahrung und Flüssigkeit reduziert wird und dabei die innerislamische Perspektive dieses Monats kaum Beachtung findet, hat in erster Linie eine geistige und seelische Bedeutung und wird auch als die Zeit der Charakterreinigung bezeichnet. Die in dieser Zeit vollzogene spirituelle Entwicklung gilt es auch darüber hinaus aufrechtzuerhalten, wie es auch die während des Fastenmonats gestärkte persönliche Beziehung sowohl zum Schöpfer als auch zu den Mitmenschen zu pflegen gilt. Durch interessante Gespräche mit Andersgläubigen über das Fasten als ein gemeinsames Element in den unterschiedlichen Religionen fand in den letzten Wochen ein Austausch statt. Feste wie diese bieten ebenfalls die Möglichkeit, sich gegenseitig besser kennen zu lernen und sich über die nicht mehr allzu lang „fremde“ Lebenswelt des Gegenübers zu informieren.

Möge dieses Ereignis in Anbetracht der aktuellen Lage in verschiedenen Ländern den Beginn einer neuen Zukunft markieren, in der die Waffen schweigen und stattdessen Frieden und Toleranz die gesamte Welt dominieren.

Marcus Gutwein - Mitglied im IDHN e.V.

Bismi Allahi Arrahmani Arrahim 

بسم الله الرحمن الرحيم

[Im Namen Allahs des Erbarmers, des Barmherzigen] 

“Der Monat Ramadan ist der Monat, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen sowie als Beweis der Leitung und der Unterscheidung des Guten vom Bösen herabgesandt wurde. Wer von euch den Monat erlebt, soll daher in ihm fasten.” [Sure Bakara, Vers 185] 

Der Fastenmonat Ramadan kommt mit großen Schritten näher. Die Muslime warten jedes Jahr mit Sehnsucht auf ihn und betrachten ihn als Chance für einen Neuanfang. Sie sehen ihn als einen Monat, der dem Menschen die Möglichkeit bietet, Gott näher zu kommen. Vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang sind Essen und Trinken untersagt. Außer Kindern, Altersschwachen und Kranken nehmen alle Muslime, auch in diesen Sommermonaten, sogar keinen Tropfen Wasser zu sich. Das ist nicht wirklich einfach.

 

Allerdings soll der Muslim nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Geist fasten. Üble Nachrede, Lüge und Verleumdung oder aber sinnloses Gerede gelten als Entwertung des Fastens. Dass der Mensch hungrig und durstig wird, ist dabei nicht ein unerwünschter Nebeneffekt, sondern der zentrale Bestandteil des Fastens. Denn nur so kann das Fasten seine Wirkung auf Geist und Charakter des Menschen entfalten.

 

Der Muslim versucht das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang in der Gemeinschaft zu erleben. Er lädt seine Familie oder Freunde ein, vor allem aber auch ärmere Menschen. Wenn Gäste eingeladen sind, erfahren sie große Gastfreundschaft. Dennoch sollte er darauf achten, nicht übermäßig viel zu essen. Denn dies widerspricht dem Wesen des Fastens. Damit der Fastende vom Ramadan profitieren kann, verbringt er seine Freizeit mit spirituellen Aktivitäten und Gebeten.

 

Vom Ramadan hat der Muslim in erster Linie zwei Erwartungen: Er hofft auf die Vergebung seiner vielen Sünden und strebt danach, die Gaben Gottes angemessen zu würdigen. Wer nämlich alles besitzt und nicht weiß, was es bedeutet hungrig und durstig zu sein, wird eher dazu neigen, Gottes Gaben zu unterschätzen und zu übersehen. Das Fasten verfolgt also das Ziel, dem Fastenden zu verdeutlichen, welch existenzielle Bedeutung Gottes Gaben für ihn haben. Denn für einen Hungrigen und Durstigen schmeckt auch ein einfaches Brot wundervoll und auch ein Glas Wasser hat einen ganz anderen Wert. Alles, was der Mensch besitzt, erfährt so eine Aufwertung. Und so denkt der Muslim während des ganzen Monats an Gott, seine Gaben und seine Barmherzigkeit.

In diesem Monat lernt der Muslim außerdem Bescheidenheit. Durch das Fasten findet er sich selbst und schraubt seine Erwartungen herunter. Er versucht, mit dem glücklich zu werden, was er hat. Das Fasten bietet die Möglichkeit, sozialer und rücksichtsvoller zu werden. Der Mensch erleidet Hunger und fühlt mit den Bedürftigen. Den Reichen wird deutlich, dass ihr Reichtum keine Selbstverständlichkeit ist.

 

Über eine Milliarde Menschen feiern diesen Monat und nehmen sich vor, eine friedliche Welt zu schaffen. Der Ramadan bedeutet für sie vor allem Rückbesinnung auf Bescheidenheit, Spiritualität und Nächstenliebe. Davon benötigt die Menschheit, die fast täglich von neuen Krisen erschüttert wird, eine ganze Menge.

 

Wie können Nichtmuslime ihre fastenden muslimischen Arbeitskollegen unterstützen?

Arbeitgeber, Kollegen, Lehrer etc. können helfen, indem sie versuchen die Bedeutung des Ramadan zu verstehen und den betreffenden Muslim nach Möglichkeit körperlich weniger beanspruchen. Besondere Berücksichtigung könnte z.B. Anfragen nach Urlaub, der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten am Morgen und am Abend, und dem Anliegen von Schülern weniger Hausaufgaben zu bekommen finden. Es ist auch sehr wichtig, dass muslimische Arbeiter, Angestellte und Schüler die Möglichkeit erhalten, nach Ende des Fastenmonats Ramadan am Festgebet teilzunehmen. Dieses Fest und ein weiteres, das ca. zwei Monate danach folgt, sind für Muslime genauso wichtig wie Weihnachten und Ostern für Christen. Über eine Gratulation und einen Glückwunsch zu diesen Festen werden sich die Muslime sehr freuen.

 

Ich persönlich freue mich auf meinen 2. Ramadan, da ich erst im Jahr 2013 zum Islam konvertiert bin. In dieser Zeit hab ich sehr viel Unterstützung und Zuspruch bekommen. In einer schnelllebigen Zeit in der wir von vielen äußeren Einflüssen wie der medialen Welt beeinflusst werden, hat mir der Glauben sehr viel Kraft und Ruhe gegeben. Hier noch ein Zitat eines guten Freundes „Der Islam ist so schön und friedlich, daher hoffe ich, dass auf der ganzen Welt die Muslime sich wieder stärker an den Glauben und den geraden Weg beziehen und das friedliche Miteinander wieder in den Vordergrund rückt. Lasst uns gemeinsam etwas Gutes tun“


Ich wünsche allen Muslimen auf der ganzen Welt einen gesegneten Ramadan.

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