Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)
Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)

Fasten im Islam

Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

"Alle Werke des Sohnes Adams sind für ihn selbst außer Fasten, was für Mich(Allah) geschieht und Ich bin Der, Der dafür belohnt."….
Fasten ist eine Art der Gottesverehrung, die seit Menschengedenken teil religiöser Handlungen ist. Das Fasten war den alten Ägyptern bekannt, von denen es auf die alten Griechen überging. Die Römer beachteten auch das Fasten, und Heiden in Indien und anderen Ländern praktizierten es. Auch die christliche und jüdische Lehre lobt den Fastenden. Das Fasten im Islam bedeutet für jeden erwachsenen und gesunden Muslim von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang:

  • keine Nahrung zu verzehren,
  • keine Getränke zu sich zu nehmen,
  • keinen sexuellen Kontakt zu haben
  • hinzu kommt die Enthaltsamkeit jeglicher Drogen oder anderer Substanzen, um das Fasten zu umgehen oder zu erleichtern, z.B. intravenös etc.

Neben dem nährenden Aspekt kommt dem verbalen "fasten" ein hoher Stellenwert zu, denn:

  • Der Fastende soll sich nicht der unanständigen Rede oder der Prahlerei hingeben,
  • Er soll in seinen Worten und Taten wahrhaftig sein, denn so sprach der Prophet (s.a.w.s.): "Derjenige, der sich nicht von der Falschheit in Worten oder Taten enthält, bei dem legt Gott keinen Wert darauf, dass er sich seines Essens und Trinkens enthält"
  • Er darf niemanden verleumden oder sonst schlecht über ihn reden oder sich sonst dem Tratsch, Klatsch, der Lüge oder dem lüsternen Blick hingeben.

Ausgenommen vom Fasten sind Kinder bis zur Pubertät, Frauen während ihrer Regel und dem Wochenfluss nach der Geburt, sowie Kranke und Reisende. Weitere Erleichterungen bestehen für schwangere und stillende Frauen, sowie alte Menschen.

 

FASTEN AUßERHALB DES RAMADAN
Im Islam gibt es unterschiedliche Fastenzeiten und -pflichten. Freiwilliges Fasten ist während des gesamten Jahres für jeden erwachsenen und gesunden Muslim möglich, wenn er dadurch Allahs (t) Wohlwollen erreichen möchte. Dabei orientieren sich viele Muslime am Beispiel des Propheten (s.a.w.s.), der z.B. montags und donnerstags fastete, bzw. an speziellen Tagen im Jahr. Beim Fasten gelten die gleichen Regeln wie beim Pflichtfasten, nur das der Fastende den Zeitpunkt selbst festlegt. Umm Hani', Allahs Wohlgefallen auf ihr, berichtete: "Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, trat bei mir am Tage der Eroberung von Mekka ein. Er holte sich etwas zu trinken und wollte mir etwas davon geben. Daraufhin sagte ich zu ihm: "Ich bin am Fasten! " Er erwiderte: "Der freiwillig Fastende ist sein eigener Amir. Du sollst also fasten, wenn du möchtest, und du kannst dein Fasten brechen, wenn du möchtest." (Dar, Ha). [SUN:1005]
Des Weiteren ist der Muslim aufgerufen zu Fasten, wenn er sich reuevoll Allah (t) zuwendet, z.B. im Falle einer Straftat oder wenn er einen an Allah (t) gegebenen Eid gebrochen hat und Allah (t) um Vergebung bittet: "Allah wird euch für ein unbedachtes Wort in euren Eiden nicht zur Rechenschaft ziehen, doch Er wird von euch für das Rechenschaft fordern, was ihr mit Bedacht geschworen habt. Die Sühne dafür sei dann die Speisung von zehn Armen in jenem Maß, wie ihr die Eurigen im Durchschnitt speist, oder ihre Bekleidung oder die Befreiung eines Sklaven. Wer es aber nicht kann, dann (soll er) drei Tage fasten. Das ist die Sühne für eure Eide, wenn ihr sie geleistet habt. Und hütet ja eure Eide. So macht euch Allah Seine Zeichen klar, auf dass ihr dankbar sein möget." [Qu'ran Sure 5:89]
Andere Fastengründe bestehen z.B. bei unverheirateten Männern und Frauen, die durch das Fasten, ihr Bestreben nach Keuschheit in Körper und Geist stärken möchten. 'Abdullah berichtete: "Wir waren zur Zeit des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, noch junge Männer, die nichts hatten, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte zu uns: "O ihr jungen Leute, wer von euch in der Lage ist, den Pflichten der Ehe nachzugehen, der soll heiraten; denn dies hilft, die Blicke (zu anderen Frauen) zurückzuhalten und die Keuschheit vor Schändlichkeiten zu wahren. Wer aber dies nicht zu tun vermag, der soll fasten; denn es ist eher für ihn ein Schutz (vor sündhafter Handlung)!" (Bu, Mu). [SUN:1983]
Fasten soll jedoch nicht zu Lasten des gesellschaftlichen Lebens, der Gesundheit oder der Familie gehen, so hat der Prophet selbst, den Leuten über langes (48 oder 72 Stunden, das ganze Jahr durch oder das ganze Leben) Fasten untersagte, wenn sie es in ihrem Eifer für die geistlichen Übungen durchführen wollten, um größeren Verdienst zu erwerben. Er gab zu bedenken: "Du hast deine Pflichten auch dir selbst gegenüber."

 

DER FASTENMONAT RAMADAN
Während das freiwillige Fasten eine zusätzliche Glaubenshandlung für Allah ist, und es dem Gläubigen offen steht, sich darin zu üben, ist der Fastenmonat Ramadan eine unumgängliche Pflicht eines jeden Muslim und ist eine der 5 Säulen des Islam.
"Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet! [2:184] Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur'an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) - Allah (t) will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen - damit ihr die Frist vollendet und Allah (t) rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. [Qu'ran 2:185]

 

Wie bereits erwähnt gibt es Erleichterungen, für Muslime, denen aufgrund krankheitsbedingter oder äußerer Umstände wie Reisen das Fasten eine unzumutbare Belastung wäre. Wenn es der Gesundheitszustand zulässt muss das Fasten (außer bei Kindern) jedoch nachgeholt werden.
Nach Sonnenuntergang ist es dem Fastenden erlaubt, sein Fasten zu brechen und den Ramadan mit seiner Familie und Freunden zu feiern.
"Es ist euch erlaubt, euch in der Nacht des Fastens euren Frauen zu nähern; sie sind Geborgenheit für euch und ihr seid Geborgenheit für sie. Allah (t) weiß, dass ihr gegen euch selbst trügerisch gehandelt habt, und Er wandte euch Seine Gnade wieder zu und vergab euch. So pflegt nun Verkehr mit ihnen und trachtet nach dem, was Allah (t) für euch bestimmt hat. Und esst und trinkt, bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung für euch erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht. Und pflegt keinen Verkehr mit ihnen, während ihr euch in die Moscheen zurückgezogen habt. Dies sind die Schranken Allahs (t), so kommt ihnen nicht nahe! So erklärt Allah (t) den Menschen Seine Zeichen. Vielleicht werden sie (Ihn) fürchten." [Qu'ran 2:187]

Fastenbrechen heißt jedoch nicht, wie oftmals angenommen, in üppigen Festgelagen den Trieben ihren freien Lauf zu lassen, denn nach vielen Stunden des Fastens, ist es gar nicht möglich riesige Mahlzeiten aufzunehmen, ganz abgesehen davon, dass es dem Grundsatz der islamischen Bescheidenheit und Mäßigung widerspricht. Der Schwerpunkt liegt mehr auf dem geselligen Teilen und dem Gemeinschaftsgefühl, das eben in diesen Tagen ganz besonders praktiziert wird. So laden sich muslimische Familien gegenseitig zum Fastenbrechen ein, und genießen nicht nur die schon an Großfamilie anmutende Gemeinschaft sondern auch den Gottesdienst in dieser Handlung, denn wenn man einem Fastenden sein Fastenbrechen stellt, so erhält man den gleichen Lohn des Fastenden, ohne dass dem diesem etwas abgezogen würde. In dieser Zeit ist es in manchen islamischen Ländern üblich, Garküchen an den Straßen einzurichten, die die Reisenden, Armen und alle anderen Bedürftigen kostenlos verköstigen.

 

DIE GEISTIGE EBENE DES FASTENS
Das Fasten im Islam ist nicht nur eine Enthaltung von Nahrung, von Falschheit in Worten und Taten, sondern es ist in erster Linie ein Zeichen seines Gehorsams vor Gott - und allein dies ist schon ein Akt der Frömmigkeit. Voraussetzung, dass das Fasten nicht nur ein Akt der Selbstdisziplin wird, sondern über diesen körperlichen Aspekt hinaus auf eine geistige Ebene und damit Allahs (t) Willen näher kommt, ist die grundlegende Absicht des Fastens. Faste ich, weil andere Fasten und ich mich anschließe oder faste ich, weil ich Allahs (t) Wohlgefallen erreichen und seinem Befehl folge leisten will. Der unausgesprochene Vorsatz ist nur dem Fastenden und Allah (t) bekannt, doch nach diesem Vorsatz wird das Fasten bewertet: Der Prophet (s.a.w.s.) hat dazu gesagt: "Handlungen werden nach den Vorsätzen, die sie ausgelöst haben, beurteilt." Für den einzelnen Muslim bleibt das Fasten also eine Gewissensfrage. Nur er selbst kann wissen, ob er auch in geistiger Hinsicht den Zweck des Fastens, nämlich seine Frömmigkeit und Gottesfurcht zu festigen, erreicht hat.

Und damit bleibt das allein eine Angelegenheit zwischen ihm und seinem Schöpfer. Bekennt sich ein Fastender zu der Absicht, Allah (t) dadurch zu dienen und Sein Wohlgefallen zu erhalten, so, versagt sich der Muslim in einem passiven Akt der Selbsthingabe an Allah (t), das, was er normalerweise als überlebenswichtig erachtet und vertraut auf Allah (t), dass Er dieses "Opfer" anerkennt.
Die Mystiker der Sufis lehren uns, dass eine Stärkung der körperlichen Anlagen die Vervollkommnung des menschlichen Geistes verhindert. Das Fasten soll diesen Prozess umkehren: Den Geist zu stärken und nicht Opfer seiner körperlichen Wünsche zu sein. Durch die zeitweilige "Schwächung" des Körpers wird sich der Mensch außerdem seiner Abhängigkeit zu seinem Schöpfer bewusst und denkt daran, was dieser für ihn getan hat. Die Gaben Allahs (t) werden voller Dankbarkeit wahrgenommen, Konsuminteressen verfallen zu Nichtigkeiten und die eigene Wertigkeit wird wieder in Relation zu seinem Schöpfer korrigiert.

 

Erlebt der Muslim das Fasten nun als einen Akt der Frömmigkeit, in dem sich sein Körper von den irdischen Bedürfnissen trennt, sein Geist sich der reinen Lehre zuwendet, so überprüft er nicht nur kritisch sein materielles Leben, sondern kehrt auch seine Gedanken in kritischer Selbstprüfung nach innen. Zusätzlich zu dieser inneren Überprüfung erfolgt auch die Wertschätzung der erhaltenen Gaben Allahs (t) und das Nachempfinden für diejenigen, die sich in schlechteren Lebensverhältnissen befinden. Das eigene Geben und Teilen wird zur Selbstverständlichkeit.
Das Fasten im Islam ist darauf ausgerichtet, den Menschen zu reinigen, ihn dem Idealbild ethischen Handelns näher zu bringen und ihm zu verdeutlichen, dass nicht er Opfer seiner Triebe ist, sondern selbst Hunger und Durst durch den Glauben an Allah (t) und seinen Gehorsam besiegen kann. Für viele Muslime ist deshalb das 30 tägige Fasten im Monat Ramadan oftmals ein Erfolgserlebnis und Triumph über unliebsame Angewohnheiten und ein Meilenstein in ihrem Leben, an dem sie sich entscheiden ihr Leben zu ändern und alte Gepflogenheiten aufzugeben: Für manche ist es nur das Rauchen, für andere ist es die Rückkehr auf den Weg Allahs (t).

 

Im Monat Ramadan zelebrieren die Muslime diesen speziellen Monat nicht nur als einen Monat, in dem Außergewöhnliches - die Herabsendung des heiligen Qu'ran - geschah, sondern sie verbringen ihn fastend und betend, um mit Allahs (t) Gnade und der Gewissheit seiner Barmherzigkeit gestärkt den alltäglichen Herausforderungen des neuen Jahres begegnen zu können.

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