Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)
Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)

Der "offizielle" Tod

Nach der privaten Verabschiedung beginnt der "offizielle" Teil des Todes. Diese Aufstellung soll ein Wegweiser zum Ablauf dieses offiziellen Teils sein. Kontaktlisten, Gebühren und Beispielrechnung finden sich im Anhang.

 

  1. Todesbescheinigung - Sterbeurkunde - Benachrichtigungen
  2. Bestattungsinstitut - Sarg - Transport
  3. Grab - Termin - Waschung - "Totenklage" - Leichenhalle

1. Todesbescheinigung - Sterbeurkunde - Benachrichtigungen:
Der Tod muss von einem Arzt festgestellt und bescheinigt werden. Ist der Angehörige im Krankenhaus verstorben so erfolgt dies dort automatisch. Zuhause muss ein Notarzt oder der Hausarzt herbeigerufen werden, der den Tod feststellt und eine Todesbescheinidung ausstellt. zur Checkliste

Diese Todesbescheinigung ist Grundlage zur Ausstellung einer Sterbeurkunde auf dem örtlichen Standesamt (für Bewohner der Stadt Heilbronn gilt dazu das Heilbronner Standesamt). Diese wird für alle weiteren Formalitäten der Beerdigung benötigt und muss innerhalb von maximal 2 Tagen beantragt werden. zur Checkliste

Unterlagen, die zur Beantragung einer Sterbeurkunde mitzubringen sind:
Todesbescheinigung, Ausweis des Toten, Ausweis des Antragstellers, Familienstammbuch/Geburts- und/oder Heiratsurkunde

Die Nachricht über den Tod eines Menschen ist nicht nur für Freunde und Verwandte wichtig, sondern auch für weniger persönliche Stellen, wie dem Arbeitgeber, Versicherungen, bei nicht-deutscher Staatsangehörigkeit der Ausländerbehörde und der zuständigen Botschaft. Letztlich muss auch Kontakt zu einer örtlichen islamischen Gemeinde aufgenommen werden, um Hilfestellung bei der Waschung und der Beerdigung zu leisten. zur Checkliste


2. Bestattungsinstitut - Sarg - Transport:
Nach deutschem Recht muss der Leichnam innerhalb von 36 Stunden in eine öffentlich Leichenhalle überführt werden. Diesen Transport darf nur ein Bestattungsinstitut vornehmen. Nach spätestens 48 Stunden muss der Verstorbene beerdigt werden. Innerhalb dieses Zeitfensters müssen nun die Ämtergänge, Waschung, Beerdigungsort und -termin, sowie das Totengebet organisiert werden.

Dazu ist es hilfreich ein professionelles Bestattungsinstitut zu konsultieren. Dieses kann die gesamte Organisation übernehmen und die Trauernden somit entlasten, oder aber nur Teilleistungen erbringen, wenn die Angehörigen große Teile der Beerdigungsvorbereitungen selbst übernehmen möchten.zur Checkliste

Mittlerweile gibt es eine Reihe von islamischen Bestattungsinstituten, die die Angehörigen auf diesem Weg begleiten. Eine Liste kann unter www.muslim-markt.de eingesehen werden. Örtliche Bestattungsinstitute können ebenfalls Teilleistungen erbringen, spezifisch-islamische Richtlinien können dort jedoch nicht vorausgesetzt werden.

Unterlagen, die für ein Bestattungsinstitut gebraucht werden:
Todesbescheinigung, Ausweis des Toten, Ausweis des Antragstellers, Sterbeurkunde, Krankenversicherung, Familienpapiere, evtl. Nachweis über Rentenbezug oder Lebensversicherung,

3. Grab - Termin - Waschung - "Totenklage" - Leichenhalle:

Kontaktaufnahme mit dem Grünflächenamt der Stadt Heilbronn

Um auf einem Heilbronner Friedhof (Bestattungen im Ausland/Heimatland werden in hier nicht berücksichtigt), speziell dem islamischen Gräberfeld auf dem Heilbronner Westfriedhof in Böckingen, beerdigt zu werden, müssen sich die Angehörigen mit dem Grünflächenamt der Stadt Heilbronn, Abteilung Friedhöfe, in Verbindung setzen. Hier wird die Art des Grabes und der Bestattungstermin festgelegt. Außerdem können hier auch weitere Formalitäten wie z.B. die Anmietung des Sektionsraums des Hauptfriedhofs zur rituellen Waschung vereinbart werden.

Für die islamische Bestattung darf nur die Erdbestattung vorgenommen werden. Das islamische Gräberfeld ist bisher noch nie für Bestattungen genutzt worden und erfüllt die Voraussetzung von unbefleckter Erde. Das Gräberfeld ist so ausgerichtet, dass der Verstorbene auf der rechten Seite liegend mit einer Ausrichtung gen Mekka bestattet werden kann. Erdbestattungen ohne Sarg dürfen in Deutschland nicht vorgenommen werden. Mittlerweile gibt es zwar bereits einige Kommunen, die auch ohne Sarg bestatten, dies ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel. In Heilbronn besteht Sargpflicht.

Auf dem Heilbronner Friedhof wird zwischen zwei Grabtypen unterschieden: dem Reihengrab, dessen Ruhezeit 18 Jahre beträgt. Die Grabnutzung ist nicht verlängerbar und nur für eine Erdbestattung zulässig. Das Wahlgrab hingegen hat ein Nutzungsrecht von 25 Jahre und ist beliebig verlängerbar. Außerdem können hier mehr als 1 Erdbestattung vorgenommen werden. zur Checkliste

Zur Frage des „Ewigen Ruherechts“, wurde von der IRH (islamischen Religionsgemeinschaft Hessen) eine Umfrageaktion unter islamischen Gelehrten bzw. islamischen Institutionen im In- und Ausland durchgeführt, nach deren Auswertung die ewige Ruhefrist nicht zwingend erforderlich ist. Wer dies jedoch trotzdem gewährleisten möchte, kann mit dem Kauf eines Wahlgrabs das Nutzungsrecht beliebig lange verlängern. Nach Ende der Ruhefrist werden die preiswerteren nicht verlängerbaren Reihengräber wieder neu belegt. Doch sollten bei nachfolgender Beerdigung noch Gebeine gefunden werden, verbleiben diese in jedem Fall in der Erde, werden jedoch tiefer gelegt.

Unterlagen, die für das Grünflächenamt gebraucht werden:
Todesbescheinigung, Ausweis des Antragstellers, Sterbeurkunde

Die rituelle Waschung

Die rituelle Waschungen erfordert nach deutschem Gesetz einen speziell ausgestatteten Raum. Zu diesem Zweck kann der Sektionsraum des Hauptfriedhofs (Wollhausstr. 132, 74074 Heilbronn) nach Absprache mit dem Grünflä-chenamt genutzt werden. Bei Verstorbenen, die im Krankenhaus verstorben sind, stellt die Klinik eigene Räume zu diesem Zweck zur Verfügung.

Die rituelle Waschung sollte von einem darin erfahrenen Muslim des gleichen Geschlechts geleitet werden. Die örtlichen islamischen Gemeinden vermitteln diese Dienstleistungen in der Regel kostenlos. Für nähere Informationen steht auch der Islamische Dachverband Heilbronn zur Verfügung.

Der Leichnam wird mit Wasser und (wohlriechenden Essenzen) Seife gewaschen und gereinigt, um ihn Gott, dem Schöpfer in reinem Zustand zurückzugeben. Der männliche Leichnam wird in 3 Tüchern (Weiss, reine Baumwolle) "gekleidet" (siehe auch die Bekleidung der Männer bei der Pilgerfahrt in Mekka); die Frau wird in 5 Tücher gekleidet und der Kopf bedeckt. Der Leichnam darf nur mit natürlichen Düften, wie Moschus oder Weihrauch parfümiert werden. Danach wird ein Totengebet durchgeführt. Dessen Inhalt besteht hauptsächlich aus Bittgebeten für den Verstorbenen, wie auch für die vorangegangenen Muslimen, sowie für die Rechtleitung der Menschheit. (zur Checkliste)

Die "Totenklage"

Eine öffentliche Totenklage bzw. Totengottesdienst, die in den islamischen Vorschriften nicht vorgesehen ist, aber traditionell gerne durchgeführt wird, darf nur innerhalb der Bestimmung des deutschen Seuchenschutzgesetztes erfolgen. Demnach hat sich der Leichnam bis zur Bestattung in einer gekühlten Leichenhalle zu befinden. Die Aufbahrung und Waschung in öffentlichen Gebäuden (z.B. Bürgerhäusern, Festhallen etc.) ist nicht gestattet. Eine Sargöffnung außerhalb der Leichenhalle ist nur in Ausnahmefällen gestattet. Angehörige, die sich über dieses Gesetz hinwegsetzen laufen Gefahr, die komplette Einrichtung nach Seuchenschutzmaßstäben reinigen lassen zu müssen.