Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)
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Gedanken zur Hadsch

Labbaik allahumma labaik
Hier bin ich, o Allah, hier bin ich…..      

 

Es ist soweit – Es ist Zeit zur Hadsch, zur großen Pilgerfahrt nach Mekka.
Löse Dich von den Zwängen des Alltags, die Dich zum Stillstand bringen und breche auf um Ibrahim (a.s.) zu werden [1]. Es ist die Chance auf ein neues Leben [2], die jeder Muslim einmal im Leben ergreifen sollte.
Hadsch ist der Traum eines jeden Muslims:
•    Den wichtigsten und heiligsten Stätten des Islam ganz nahe zu sein
•    einzutauchen in die Familie der Muslime
•    und vielleicht endlich einen reinen Neuanfang zu schaffen.


Hadsch ist mehr als nur eine Reise ins entfernte Arabien.
Hadsch ist auch keine Foto- und Einkaufsreise, von der man mit Souvenirs und Mitbringseln zurückkehrt.

 

Hadsch ist ein Ablegen des alten Ichs, des Ichs, das von der Macht des Geldes, den Zwängen der Arbeit und der Last der Verpflichtungen so eingehüllt und zugemauert ist, dass es den ursprünglichen Geist des Menschseins fast vollständig eingekerkert hat.

 

Hadsch ist das sprengen dieser Mauern, das freie Durchatmen der freien menschlichen Seele, das sehnsüchtige Strecken und Wachsen in Richtung Licht nach Jahren der Dunkelheit.

 

Mit dem Ablegen der weltlichen Kleidung an den Grenzpunkten (Miqat) der Hadsch und dem Anlegen der ungenähten weißen Einheitstücher (Ihram) tritt der Pilger ein in eine andere Welt, die nicht nach weltlichen Maßstäben bewertet wird, sondern ganz allein nach dem menschlichen Sein. Nicht Äußerlichkeiten regieren hier, sondern nur die Liebe zu Gott und seiner Schöpfung und die Gleichheit und Friedfertigkeit gegenüber den anderen Glaubensgeschwistern. Es ist ein Hort des Friedens und der Andacht

 

Und als Wir das Haus zu einem Ort der Einkehr für die Menschen machten sowie zu einer Sicherheit (sprachen Wir): "Nehmt euch die Stätte Abrahams zum Gebetsort." Und Wir haben Abraham und Ismail auferlegt: "Reinigt Mein Haus für die es Umkreisenden und (sich dorthin) Zurückziehenden, die Sich-Verneigenden und Sich-Niederwerfenden." [2:125]

 

Mit Erreichen des Zentrums Mekka, strömen Millionen von Menschen in die Moschee, die das älteste Haus der Menschheit (Kaaba) beherbergt. Ein aus einfachen Steinquadern errichteter Kubus, den bereits Adam als Ort der Andacht erbaute und nach ihm Ibrahim (a.s.) an derselben Stelle auf den alten Fundamenten wieder aufbaute und Mohammed erneuerte und von falschen Götzen befreite. Schmucklos und einfach steht es da, so einfach und klar wie der Islam, so perfekt in seiner Einfachheit wie die Schöpfung – kein Schnickschnack, kein unnötiger Firlefanz lenken ab von der Geradlinigkeit und Präsenz dieses leeren Hauses. Denn leer ist es, muss es sein! Nichts darf von einem Muslim angebetet werden, außer Allah (t) selbst und so steht die Kaaba nur als Symbol und Wegweiser auf dem Weg zu Allah (t)

Die Pilger umkreisen dieses Haus (Tawaf), so wie die Engel den Thron Gottes in Ehrfurcht umkreisen. Sie nehmen sie in ihre Mitte und richten sich wieder aus, nach dem Mittelpunkt ihres Lebens, der der einzig wahre Mittelpunkt eines Geschöpfes sein kann – seinem Schöpfer. Sie umkreisen sie mit Hingabe und Liebe, als ob sie sie nie mehr loslassen wollten. Mit jeder Umkreisung zieht sich der Kreis enger, mit jedem Schritt festigen sie ihren Platz in ihrer wieder gefundenen Umlaufbahn.
 
Doch als Pilger müssen sie die Kaaba, das Haus Allahs (t), das die Heimat der Menschen ist, wieder verlassen, denn die Kaaba ist nur ein Anfang, ein Wegweiser auf der Reise, um wieder Mensch zu werden. Die Pilger strömen weiter nach Arafat einer Wüstenebene, in der Adam die Erde betrat, nach dem er das Paradies verlassen musste. Hier versammeln sich einmal im Jahr Millionen von Pilgern, stehen betend in der Wüste, in der prallen Sonne und erinnern sich daran, dass sie am Jüngsten Tag, so vor Allah (t) stehen werden müssen. Sie werden dort warten, um gerichtet zu werden nach ihren Taten, die sie aus dem Diesseits vorausgeschickt haben. Hier gibt es keine Fürsprecher und keinen Beistand, außer dem, was jeder selbst getan hat.

Doch die Reise geht weiter, sie führt nach Muzdalifa. Nach Sonnenuntergang begibt man sich dorthin, um die Nacht in einem kargen Tal unter freiem Himmel, die Nacht zu verbringen. Vielleicht schlafend, vielleicht aber auch nachdenklich, rückbesinnend und in sich gekehrt. Man bleibt wach, durch die Aufgabe kleine Kieselsteine zu sammeln. Die Monotonie des Sammelns lässt die Gedanken schweifen. In der Dunkelheit, sucht jeder in sich das Bewusstsein wieder zu finden, die Flamme, das Licht, das dem Leben den eigentlichen Sinn gibt: die Liebe zu Gott.

Noch vor Sonnenaufgang brechen die Pilger auf. Sie haben wieder zu sich selbst und zu Gott gefunden. Ihr neues Ziel heißt Mina. Hier versuchte der Satan Ibrahim (a.s.) dreimal davon abzubringen, seinen Sohn zu opfern. Ibrahim (a.s.), der erst in hohem Alter einen Sohn bekam, kämpfte mit sich. Jederzeit hätte er sein eigenes Leben für Allah (t) hingegeben, doch die Liebe zu seinem Sohn war seine große Schwäche. Der Satan wusste dies und nutzte diese Schwäche sofort aus. Doch Ibrahim (a.s.) kämpfte dagegen an und jedes Mal, wenn der Satan ihn durch Zweifel und Einflüstern versuchte von seinem Vorhaben abzubringen, nahm Ibrahim (a.s.) 7 Steine und warf sie nach ihm. Nach dem dritten Mal hatte er gesiegt und auch seine letzte Schwäche überwunden, und Allah (t) belohnte ihn damit, dass er seinen Sohn Ismail (a.s.) verschonte und ihm stattdessen einen Widder gab.

 

Mit neuem Selbstbewusstsein und neuer Liebe stürmen die Pilger nun den Ort, an dem Ibrahim (a.s.) gegen den Satan kämpfte und unterstützen ihn nun in seinem Kampf. Auch sie steinigen den Satan - in Form von 3 Säulen - der versucht, sie von ihrem Weg abzubringen.

Anschließend müssen auch sie ein Opfer bringen. Doch kurzsichtig ist, wer nur an das Schaf denkt, das später an die Armen in aller Welt verteilt wird. Nein, es fließt zwar das Blut eines Tieres, so wie bei Ibrahim (a.s.), doch es ist nur dann ein Opfer und keine reine Schlachterei, wenn der Pilger in seinem Herzen, Gott seine größte Schwäche opfert. Das Befreien dieser letzten Fessel, macht den Pilger endlich zu einem freien Menschen, der in Gottvertrauen und Liebe, sein neues Leben in Friedfertigkeit, Aufrichtigkeit und Geduld beginnt.

 

Und wer hat eine schönere Religion als jener, der sich Allah ergibt und dabei Güte übt und dem Glauben Abrahams folgt, des Aufrechten? Und Allah nahm Sich Abraham zum Freund.[4:125]

 

Die Hadsch hat die Pilger in die Fußstapfen Ibrahims (a.s.) treten lassen, und so erfüllt sich das Versprechen Allahs (t) im Qur’an: Und als Abraham von seinem Herrn durch Worte geprüft wurde und er diese vollbrachte, (da) sprach Er: "Ich werde dich zu einem Imam (Vorbild, Vorbeter) für die Menschen machen." Da bat Abraham: "Auch von meiner Nachkommenschaft." Er sprach: "Mein Versprechen erstreckt sich nicht auf die, die Unrecht tun.“[2:124]

 

Quellen-/Literaturnachweis

 

[1]. Ali Schariati (1983): Hadsch
[2]. Ahmad von Denffer(1987): Wallfahrt nach Mekka

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