Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)
Islamischer Dachverband Heilbronn e.V. (IDHN e.V.)

Die Kaaba in Mekka - eine Station der Wallfahrt

1.    Die Geschichte der Kaaba
2.    Der schwarze Stein
3.    Die Umkreisung der Kaaba (Tawaaf)

Mindestens einmal im Jahr zur Zeit der Wallfahrt (Hadsch) erscheint in den Nachrichten das Bild von Millionen von Pilgern, die sich in der heiligen Moschee von Mekka in Richtung eines schwarzen Würfels verbeugen und ihn umkreisen. Wenn man den Bildern glauben schenkt - dann scheinen Muslime tatsächlich einen schwarzen Stein anzubeten, so wie es viele Nicht-Muslime annehmen. Hinzu kommt: Fragt man einen praktizierenden Muslim, wonach er oder sie die Gebetsrichtung auswählt, so bekommt man zur Antwort, in Richtung Mekka, in Richtung der Kaaba, die Quibla, ist.
Warum nun gerade Mekka und was ist dran an diesem in schwarz gehüllten Würfel - genannt Kaaba?
 
1.    Die Geschichte der Kaaba
Eine Überlieferung erzählt uns (und nur Allah weiß, die ganze Wahrheit), dass als Adam (a.s.) das Paradies verlassen musste, er von Allah aufgefordert wurde ein Haus der Zuflucht und Verehrung zu errichten und dieses in der Art und Weise zu umkreisen, wie die Engel den Thron Allahs umkreisen. So reiste Adam (a.s.) umher, bis er unter der Führung der Engel in die Region des heutigen Mekkas kam und dort in einem unwirklichen Tal aus Sand und Stein, das erste Haus der Menschen errichtete – die Kaaba. [1]
Der Qur’an sagt dazu: "Wahrlich, das erste Haus, das für die Menschen gegründet wurde, ist das in Bakka [Mekka] - ein gesegnetes und eine Leitung für die Welten." [Sure 3:Vers 96]

Die Kaaba geriet jedoch in Vergessenheit und verfiel bis Ibrahim (a.s.) seinen Sohn Ismail (a.s.) und dessen Mutter Hagar dort ansiedelte.
Ibrahim (a.s.) stammte aus einer angesehenen und reichen Priesterfamilie und ihm standen alle Türen offen, um dort seinerseits eine hervorragende Stellung einnehmen zu können. Doch Ibrahim (a.s.) war anders, er hinterfragte die Welt der Statuen und Götzen nach ihrer tatsächlichen Macht und kam schließlich auf die einzige Wahrheit, dass es nur einen Gott geben kann, der allmächtig und allweise, unendlich und der Größte ist – Allah (t). Doch diese Lehre stieß auf Unmut und wie alle Propheten wurde er verfolgt und mit dem Leben bedroht, bis er seine Heimat verließ und als Nomade den Nahen Osten und die arabische Halbinsel durchwanderte. Es begleitete ihn auch sein Neffe Lut (a.s.), den er in der Religion des einzigen Gottes unterwies und später in Sodom ansiedelte. In hohem Alter wurden Ibrahim (a.s.) zwei Söhne geschenkt. Ibrahim (a.s.) unterwies diese – seine einzigen Kinder - ebenfalls in der Ergebenheit des einzigen Gottes (Islam) und als Allah (t) von ihm forderte seinen Sohn Ismail (a.s.) zu opfern, schmerzte ihn sein Herz. Doch er folgte seinem Herrn und sein Sohn ermutigte seinen Vater, den Befehl auszuführen. Allah (t) braucht keine Menschenopfer, sondern prüfte Ibrahim (a.s.) mit diesem Befehl auf seinen Gehorsam und sein Gottvertrauen. Bevor er seinem Sohn ein Leid zufügen konnte, gab Allah ihm in seiner Barmherzigkeit einen Widder, um ihn statt des Sohnes zu opfern, und belohnte Ibrahim (a.s.), in dem er ihn und seine Nachkommen segnete:
"Und als Ibrahim von seinem Herrn durch Worte geprüft wurde und er diese vollbrachte, (da) sprach Er: "Ich werde dich zu einem Imam für die Menschen machen." Da bat Ibrahim: "Auch von meiner Nachkommenschaft." Er sprach: "Mein Versprechen erstreckt sich nicht auf die, die Unrecht tun.“[Sure 2: Vers 124]

Ibrahim (a.s.) hatte Ismail (a.s.) und seine Mutter Hagar am alten Platz der Kaaba angesiedelt und baute diese nun mit seinem Sohn wieder auf.
"Und als Wir für Ibrahim die Stätte des Hauses bestimmten (sprachen Wir): "Setze Mir nichts zur Seite und halte Mein Haus rein für die (es) Umkreisenden, Betenden und Sich-Niederwerfenden. Und rufe die Menschen zur Pilgerfahrt auf. Sie werden zu Fuß und auf jedem mageren Kamel aus allen fernen Gegenden zu dir kommen, auf dass sie allerlei Vorteile wahrnehmen und während einer bestimmten Anzahl von Tagen des Namens Allahs für das gedenken mögen, was Er ihnen an Vieh gegeben hat. Darum esst davon und speist den Notleidenden, den Bedürftigen. Dann sollen sie ihre pers&oum;lnliche Reinigung vollziehen und ihre Gelübde erfüllen und um das Altehrwürdige Haus wandeln."[22:26-29]

Sie bauten die Kaaba aus einfachen Steinquadern, ohne jeglichen Schmuck. Allein die quadratische Form, war Schmuck genug. Kaaba selbst heißt Würfel, sonst nichts. Ali Schariati fasziniert diese einfache Form und verbindet sie mit der unendlichen Perfektion Allahs, denn auch Allah "ist absolut und richtungslos. Nur Du musst Ihm gegenüber eine Richtung einschlagen, Du richtest Deinen Blick auf die Kaaba, die selbst keine Richtung hat […] Mit sechs Seiten hat der Würfel die angemessene Struktur, diese Vorstellung zu vermitteln; sie bezieht alle Richtungen ein, und gleichzeitig zeigt ihre Summe keine Richtung auf. Die Kaaba ist das konkrete Symbol dieser Vorstellung. [2]
"Und Allah gehört der Osten und der Westen; wo immer ihr euch also hinwendet, dort ist das Antlitz Allahs. Wahrlich, Allah ist Allumfassend, Allwissend."[2:115]

 Nach dem Wiederaufbau der Kaaba wurde sie immer als heilige Stätte genutzt. "Und als Wir das Haus zu einem Ort der Einkehr für die Menschen machten sowie zu einer Sicherheit (sprachen Wir): "Nehmt euch die Stätte Ibrahim (a.s.)s zum Gebetsort." Und Wir haben Ibrahim und Ismail auferlegt: "Reinigt Mein Haus für die es Umkreisenden und (sich dorthin) Zurückziehenden, die Sich-Verneigenden und Sich-Niederwerfenden."[2:125]

 Doch der Mensch ist schwach. Immer wieder sucht er sich Vermittler und Statuen, die er anbeten kann anstelle von Allah und so wurde auch die Kaaba mit der Zeit zum Ort des Götzendienstes. Mekka war inzwischen eine reiche Handelsmetropole geworden und verdiente gut daran, Götzen an der Kaaba aufzustellen und von den jeweiligen Gläubigen, die anreisten, verehren zu lassen und Geschenke anzunehmen. Es gab sogar Statuen von Ibrahim und Ismail (a.s.), die angebetet wurden – die Kämpfer gegen den Götzendienst wurden selbst als Götzen verherrlicht.

 

Es wurden Opfer gebracht und Rituale durchgeführt. Selbst die Umkreisung der Kaaba fand noch statt, aber in verzerrter und fast schon karnevalistisch anmutender Manier. Von dem einstigen sauberen Glauben, für den Ibrahim (a.s.) und seine Nachkommen gekämpft und gelebt hatten, war nicht mehr viel übrig geblieben.

 

Dieser Missbrauch dauerte fast 1000 Jahre, bis Mohammed (s.a.w.s.) kam und die Kaaba von ihren Götzen reinigte und wieder ihrem ursprünglichen Sinn zuführte – als Platz des Gebetes für Allah, so wie Ibrahim (a.s.) es getan hatte.
Wenn nun viele Nicht-Muslime annehmen, dass Muslime einen schwarzen Stein anbeteten, so mögen sie dies oberflächlich gesehen in Filmaufnahmen und Bildern bestätigt sehen. Denn die Kaaba ist heute mit einem schwarzen, reich-bestickten Tuch bedeckt und die Gebetsrichtung für jeden Muslim auf der ganzen Welt ist in Richtung der Kaaba. Doch für Muslime ist die Kaaba selbst nicht anbetungswürdig. Sie ist nur ein geschichtsträchtiges Haus, ein Wegweiser zu Allah (t), "wie eine Startbahn zum Fliegen […]. Sie ist nicht das Ende, sondern der Anfang. […] Hier ist der Treffpunkt, der Treffpunkt zur Begegnung mit Gott, Ibrahim (a.s.), Mohammed und den Menschen […] Die Menschen [...] sind hier zu Hause. [3]"

 

Zur Zeiten der Wallfahrt wird das schwarze Tuch, das die Kaaba umhüllt hochgezogen, so dass die nackte Mauer sichtbar wird und es für jeden Pilger klar ist, dass die Kaaba nur ein einfach gemauertes Haus ist und nicht angebetet werden soll.

2.    Der schwarze Stein
Doch halt es gibt tatsächlich einen schwarzen Stein in Mekka, doch dies ist nicht die Kaaba selbst, sondern ein Stein in einer silbernen Fassung, der an einer Ecke der Kaaba eingemauert ist.
Beten Muslime dann diesen Stein an? Nein! Im Islam betet man weder Steine noch Statuen, noch Bilder, noch irgendetwas anderes an – Nur Allah (t)! 
Dieser Stein hat jedoch aufgrund seines Ursprungs eine große Bedeutung. Er ist "der Überrest des ältesten Gotteshauses […], das jemals auf der Erde errichtet wurde. Adam (a.s.), unser aller Vorfahr, hat mit diesem Stein das Haus Allahs erbaut und dieser Stein ging durch seine Hände. Ibrahim, der von der alten Kaaba nur noch die Spur des Hügels mitten im Tal vorfand, erbaute die Kaaba mit seinem Sohn Ismail (a.s.), und sie haben diesen Stein dabei benutzt…."[4] Und auch Mohammed berührte und küsste diesen Stein, der aus dem Paradies stammen soll, und setzte ihn vor fast 1400 Jahren an die Stelle, an der er heute steht. Und trotzdem ist es nur ein Stein – ein sehr wertvoller zweifellos - und doch nur ein Stein.

 

Vom Kalifen Umar (r) wird berichtet, dass er vor dem Küssen des Schwarzen Steines sagte: "Bei Allah, ich weiß, dass Du nur ein Stein bist, der weder nützt noch schadet, und wenn ich nicht gesehen hätte, dass Allahs Gesandter (s.a.w.s.) dich geküsst hat, würde ich dich nicht küssen…."[5]

 

Während der Wallfahrt ist dieser schwarze Stein Anfangs- und Endpunkt der rituellen Umkreisung der Kaaba. Viele Pilger beginnen diese Umkreisung mit solcher Inbrunst, dass sie sich in das Gedränge stürzen, um den Stein zu küssen, so wie es der Prophet (s.a.w.s.) getan hat. Doch vergessen sie dabei in ihrem Eifer und ihrer Liebe, dass man als Pilger, weder stoßen noch drängeln, noch sich und andere verletzten, sondern sich in Geduld üben soll. Es reicht durchaus, zum Anfang der Umkreisung der Kaaba, auf Höhe des schwarzen Steines stehen zu bleiben und die Hände (oder auch nur die rechte Hand) in seine Richtung auszustrecken und dabei im arabischen "Im Namen Allahs, und Allah ist am größten" zu sprechen. Wer möchte kann den schwarzen Stein zu einem späteren Zeitpunkt berühren oder küssen. [6] 

3.    Die Umkreisung der Kaaba
 Die Umkreisung der Kaaba ist ein elementarer Bestandteil der Hadsch- und Umra Riten. Umra ist der Besuch von Mekka, während sich Hadsch noch auf die Riten in den umliegenden Gebieten wie Arafat und Mina bezieht. Doch die Umkreisung der Kaaba gehört immer und mehrmals dazu. 
Es ist ein Ritual, dass auch die Engel um den Thron Allahs vollziehen und wenn wir von einer siebenmaligen Umrundung sprechen, so steht dies gleichbedeutend für ein unendliches Umrunden, denn die Zahl 7 steht im Islam für die Unendlichkeit.

Ahmad von Denffer sieht in der Bedeutung der Umrundung, den Wunsch des Menschen, dass was ihm wichtig ist, fest zu umschließen, es fest zu halten und nicht zu verlieren. Da die Kaaba zu groß ist, um sie mit der Hand oder den Armen zu umschließen, muss der Pilger es durch seine Bewegung und mit der Hilfe der Gemeinschaft tun. "… und je öfter Du um es (Kaaba) herumgehst, umso fester umschließt Du es, und umso mehr gehörst Du mit dem Haus Allahs zusammen, und umso weniger leicht, lässt Du Dich von ihm trennen…"[7]
Ali Schariati sieht darin eine Bewegung und Beziehung, die dem des Sonnensystems gleicht "…hier wirst Du Teil des Universums. Du schließt Dich den Menschen an und gehst in ihnen auf wie ein Tropfen Wasser im Ozean. Du findest Deine Umlaufbahn und setzt Dich in Bewegung zu Gott hin auf dem Wege der Menschen."[8]
Die Kaaba ist nicht nur liebstes Symbol der Muslime, sie ist ihr Zuhause. Und auch wenn ihr Standort von Allah (t) nach Saudi-Arabien gelegt wurde – und nur Allah weiß warum - so ist die heilige Moschee in Mekka und die Kaaba ein Zuhause der gottergebenen Menschen der ganzen Welt, egal welcher Nationalität.
Doch man darf nicht vergessen:
Sie ist nur ein weltliches "Zuhause" – die Heimkehr ist alleine bei Allah (t)!

 

Quellen-/Literaturnachweise:

 

[1]. Vgl. Eaton, G. (1994): Islam and the destiny of man, S. 46
[2]. Schariati, A. (1983): Hadsch, S. 33f.
[3]. ebenda, S. 32f.
[4].Von Denffer, A. (1987): Wallfahrt nach Mekka, S. 70.
[5].Vgl. ebenda, S. 68ff.
[6].Vgl. ebenda, S. 17ff.
[7].ebenda, S. 66f.
[8].Schariati, A. (1983): Hadsch, S. 36.


Hier finden Sie uns:

IDHN e.V.
Salzstraße 35
74076 Heilbronn

Kontakt

Rufen Sie einfach an 0178-1694072 oder nutzen Sie unsere Kontaktmöglichkeiten 

(» hier)